Intelligenter Produzieren
Ausgabe 2007/4Liebe Leserinnen und Leser,
das Toyota-Produktionssystem setzt die Maßstäbe einer effizienten Produktion. Viele und vor allem große Unternehmen haben mit einer Übernahme der Grundgedanken und Methoden sowie mit einer Adaption an die spezifische Unternehmenskultur Anschluss an das Toyota-Produktionssystem gefunden. Für andere Unternehmen stellt sich die Frage, ob die Konzeptionen übernehmbar sind oder ob sie eigene Wege beschreiten müssen, um besser zu werden.
Es stellt sich die Frage, ob es deutschen Unternehmen im Wettbewerb reicht, zum Toyota-System aufzuschließen, oder ob es gar eine Antwort der hiesigen Industrie gibt, die noch höhere Potenziale aktivieren kann. Oder anders gefragt, gibt es ein Produktionssystem „nach Toyota“ und nach „Lean Management“?
Das Toyota-Produktionssystem ist vor allem auf eine serielle Fertigung und auf Synergien in den Zulieferketten ausgerichtet. Eine frühzeitige und gründliche Beseitigung von Störungen in der Prozesskette, eine Vereinfachung und Konzentration auf die Wertschöpfung sowie die Standardisierung der Produkte und Prozesse tragen entscheidend zur Effizienz bei. Schwächen liegen in der Individualisierung und Wandlungsfähigkeit sowie in der Applikation von Prozessen jenseits der bekannten Leistungsgrenzen.
Im Rahmen der Manufuture-Initiative wurde der Entwicklung eines Produktionssystems „beyond lean manufacturing“ die höchste Priorität gegeben. Der Grund liegt sicher nicht nur in der Suche nach einem methodischen Rahmen für den Fabrikbetrieb von Unternehmen, sondern vor allem in der nachhaltigen Wirkung
auf die Gestaltung der Technik, der Organisation und der Kommunikationssysteme für Spitzenleistungen. Ferner stellt sich die Frage nach einer insgesamt höheren Flexibilität und Wandlungsfähigkeit der Unternehmensstrukturen und Produktionsnetzwerke.
„Alles ist im Fluss“ lautet eine griechische Weisheit. Dies gilt besonders für industrielle Unternehmen, die in einem turbulenten Umfeld operieren. Antworten auf die Herausforderung des Toyota-Produktionssystems finden Unternehmen deshalb in neuen Ansätzen robuster und zugleich dynamischer Organisationen und Techniken, in dem Überschreiten heutiger technischer Grenzen sowie in der Applikation innovativer Informations- und Kommunikationstechniken.
Schneller und zuverlässiger zu neuen Produkten und Prozessen sowie eine vollständige Orientierung auf die Kundenspezifika kann ein Ziel zur Überwindung der Leistungsgrenzen der heutigen Produktionssysteme sein. Der deutsche und europäische Weg schließt kulturelle, soziale und technische Standards ein.
Es wird Zeit, die Antworten auf das Toyota-Produktionssystem als Grundlage einer nachhaltigen Wettbewerbs-strategie neu zu formulieren.
Autor: VDMA
Erschienen: 2007